Das gute Leben und der Tod

Sterben, das ging damals anders als heute. In den Oberpfälzer Klöstern gab es eine lebendige Gedenkkultur. Heute ist der Tod ein Tabuthema. Mit seinem Festvortrag will Andreas Trampota die Brücken in die Gegenwart schlagen.

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Blick in den Barocksaal während Andreas Trampotas Festvortrag.

Wolfgang Steinbacher

(wpt) Der Tod, er bedeutet nicht nur das Ende der diesseitigen Existenz. Er stellt auch Hinterbliebene vor eine schwere, oft unmöglich zu bewältigen scheinende Herausforderung. Wie erfahren wir das Sterben? Hat sich unser Umgang mit diesem Thema in den letzten Jahrhunderten verändert? Vielleicht hat ja das gute Leben Auswirkungen auf die Sterbestunde eines Menschen. Das war Kernthema des Festabends im Barocksaal beim vierten Oberpfälzer Klostersymposium der Provinzialbibliothek. Der Titel der Veranstaltung und der dazugehörigen Ausstellung: "Mors - Tod und Totengedenken in den Oberpfälzer Klöstern".

"Unser Tod, das ist keiner mehr. Das wird in der heutigen Zeit oft beklagt. Unser Sterben ist ein Tabuthema, aber der Tod lässt sich nicht verdrängen", leitete die Leiterin der Provinzialbibliothek, Siglinde Kurz, den Abend ein. Bürgermeisterin Brigitte Netta bezeichnete das Sterben in ihrem Grußwort als "den Endpunkt des Diesseitigen." Der Verlust einer nahestehenden Person hinterlasse oft eine Leerstelle, von der es nicht leichtfalle, sie zu akzeptieren.

Im Mittelpunkt des Abends stand der Festvortrag von Andreas Trampota. Er ist Professor für philosophische Ethik an der Hochschule für Philosophie in München. Er wollte Vergangenheit und Gegenwart miteinander vereinen. Zu Beginn zitierte er die mit Platon in Verbindung gebrachten Worte: "Philosophieren heißt sterben lernen." "Der Tod", so Trampota, "ist unser ständiger Begleiter, er ist nicht nur ein Ereignis irgendwann." Ihm zufolge ist der Tod ein zutiefst menschlicher Akt. Der Mensch sei das einzige Wesen, das sich seiner eigenen Sterblichkeit bewusst ist. Dieses Wissen führe zu einem tiefen Gefühl der Verunsicherung. "Dagegen gibt es nur ein Heilmittel. Die Liebe." Die Erfahrung des Todes hänge stark mit dieser zusammen. Wir müssten "uns erst einmal selbst genommen werden", damit sich unsere Sicht auf die Welt verändere. Das gute Leben, das sei heute in erster Linie mit praktischen Fragen verknüpft.

Der Mensch heute handle häufig zweckorientiert, er sei immer zu aktiv, um seine Ziele zu erreichen. "Der Tod ist etwas, das wir erleiden. Man könnte sogar sagen, er ist das Passivste, was uns passieren kann", gab er zu bedenken. Wenn der Mensch nun täglich mit dieser Unverfügbarkeit lebe, dann erkenne er an, nicht alle Aspekte des eigenen Daseins steuern zu können. "Wenn Menschen handeln, dann ist das nicht alles. Wir leben auch nach der Dimension des Sinns", führte er weiter aus. Erst durch die Endlichkeit werde das Leben zu etwas Kostbarem. "Sonst würde alles in Bedeutungslosigkeit versinken. Wir müssen das Leben als etwas Abgeschlossenes betrachten, erst dann kommen der Wert und der Sinn ins Spiel", ergänzte er. Durch die Verbindung des Aktiven mit dem Unverfügbaren erfahre das Leben erst seinen ihm eigentümlichen Sinn.

Der Tod ist etwas, das wir erleiden. Man könnte sogar sagen, er ist das Passivste, was uns passieren kann.

Professor Andreas Trampota

Das Fazit:

Das Fazit der Organisatoren

Christian Malzer und Georg Schrott, die beiden umtriebigen Organisatoren des Symposiums, waren sich einig: "Es bleibt noch viel zu tun. Es ist aber auch schon einiges gemacht worden." Beide zeigten sich mit dem Ablauf des Symposiums sehr zufrieden. Die nächsten Schritte sind schon geplant. Im Frühjahr wird ein Tagungsband mit den Beiträgen der Referenten erscheinen. Die Grundlage dafür bildet Andreas Trampotas Festvortrag. Die Tagung habe gezeigt, dass durchaus Interesse am damaligen Leben in den Klöstern bestehe, sagte Malzer. "Uns wurden neue Facetten des Themas aufgezeigt und wir konnten neue Zugangswege dazu finden", freute er sich. Drei Jahre, das sei eine realistische Zeitspanne, bis das nächste Symposium stattfindet

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