Predigt - Fernseh-Gottesdienst an Mariä Himmelfahrt

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Liebe Schwestern und Brüder!

„Welterschöpfungstag“ - Vielleicht haben Sie auch davon im Radio gehört oder in der Zeitung gelesen. Das ist der Tag, an dem rechnerisch die Ressourcen der Erde, die innerhalb eines Jahres auch wieder nachwachsen können, aufgebraucht sind. Ab diesem Tag leben wir auf „Öko-Pump“ sozusagen. Heuer war das am 1. August. So früh war das noch nie. 1970 fiel dieser Tag auf Ende Dezember, 30 Jahre später dann bereits auf September und heuer also auf den 1. August. Der derzeitige Lebensstil von uns Menschen überholt die Regenerationsfähigkeit der Erde immer schneller.

„Welterschöpfungstag“ – der Name allein lässt aufhorchen und es klingt innerlich ein Seufzer mit. Aber ob dieser Tag ein Bewusstsein für unseren Umgang mit der Schöpfung schafft und uns umdenken, ja anders handeln lässt? Ich würde es mir wünschen.

„Welterschöpfungstag“ – Was die Erde betrifft kennen auf andere Weise auch viele Menschen. Mehr und mehr fühlen sie sich erschöpft und ausgelaugt. Die Kraft reicht oft nicht mehr aus. Ein gesunder Rhythmus zwischen Arbeit und Freizeit geht verloren, Leib und Seele werden überfordert. Viele fühlen sich ständig gedrängt und gehetzt. Selbst in der Urlaubszeit wie jetzt, können sie nicht wirklich abschalten und sich erholen.

Gegen diese ‚Erschöpfung‘ der Welt und der Menschen ist für mich das heutige Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel wie ein »‘Schöpfungs‘tag«, der etwas neu und gut werden lässt. Er ist nicht berechnet, nicht festgemacht an einem tatsächlichen Datum, sondern ein Tag, der durch und über alle Zeiten hinweg seine Kraft entfaltet. Die ersten Christen hatten im Glauben ein feines Gespür, dass Maria in ihrer besonderen Beziehung zu Jesus Christus nicht nur auf diese Welt und Zeit beschränkt bleiben kann, sondern darüber hinaus für den Himmel bestimmt ist. Was sie selbst „in guter Hoffnung“ beim Besuch Elisabeths als Loblied auf Gott anstimmt, ist der Grund für diese Glaubenshoffnung: Gott rettet, er schaut auf die Niedrigen und erhöht sie, die Hungernden beschenkt er mit Gaben, er nimmt den Menschen an und hat Erbarmen mit ihm. Das hat Gott vor allem an Maria wahr gemacht. Mit Leib und Seele lässt er sie eine neue Schöpfung werden. Das ist eine tief im Glauben verwurzelte Hoffnung der Christen, einst und jetzt. Gottes schöpferisches Tun, das Maria preist, ist auch uns allen zugesagt. Er schaut auf mich, besonders dann, wenn es mir an Lebenskraft fehlt. Er stillt meine Sehnsucht nach Leben. Er nimmt mich an, wo ich es selber nicht vermag. Und das alles in letzter Konsequenz bis in den Tod, ja gegen ihn. Der letzte Feind, der Tod, ist entmachtet. Wir müssen zwar sterben, werden aber in Christus alle lebendig gemacht werden (vgl. 1 Kor 15, 21b), bekennt der Apostel Paulus.

Wenn an diesem Festtag nach altem Brauch Heilkräuter und Blumen gesammelt und zum Gottesdienst mitgebracht werden, dann ist das ein ganz sinnlicher Ausdruck dafür, wie wir Gottes Verheißung und sein schöpferisches Tun für unser Leben teilen und weiterführen können. Wie mit den Kräutern könnten wir es auch für unser Leben machen: das sammeln und bündeln, was Lebenskraft hat, heilend wirkt und schön ist. Und das dankbar vor Gott bringen und von ihm segnen lassen.

Dieser »Schöpfungstag« Mariä Himmelfahrt lädt ein, meine Lebenskräfte und Lebensfreude zu bündeln gegen das, was überfordert und niederdrückt. Auf meinem Lebensweg und meinen Wegen ins Leben hinein gilt es daher aufmerksam zu sein für das, was mir guttut und Kraft gibt. Wo finde ich für mich selbst Orte und Zeiten, die mich neu lebendig werden lassen, wenn ich erschöpft bin? Wo sind Freunde, die für mich da sind, wenn ich sie brauche? Pflege ich diese Freundschaften? Wem kann ich Hilfe und Stütze sein und wie kann ich das Leben mit anderen teilen und es neu werden lassen? Maria ist besonders heute an ihrem großen Festtag und in den vielen ihr geweihten Kirchen für viele Menschen eine Anlaufstelle für ihre Sorgen und Anliegen. „Schwester im Glauben“ wird sie auch manchmal genannt. Das können auch wir füreinander sein: Schwestern und Brüder für unseren Glauben, wenn wir nicht nur in einer menschlichen, sondern auch in einer geistlichen Sorge einander begleiten und erfahren lassen, dass wir in Christus lebendig werden.

Die Mönche, die einst diese herrliche Kirche vor über 300 Jahren erbauten und sie unter den Schutz Mariens stellten, wussten damals schon um etwas, das auch heute noch in den Klöstern gepflegt wird: die „Rekreation“ am Abend eines jeden Tages – eine Zeit der Er-holung, die täglich kleine „Neu-schöpfung“ in der Gemeinschaft für sich selbst und für die anderen.

Liebe Schwestern und Brüder, der „Welterschöpfungstag“ mahnt einen anderen Lebensstil an, damit die Schöpfung bewahrt bleibt. Das heutige Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel erinnert uns an den »Lebenstil« Gottes, der uns nicht nur in dieser Zeit und Welt bewahrt, sondern darüber hinaus einmal einen neuen Himmel und eine neue Erde bereithält. „Wenn Gott uns heimbringt, das wird ein Fest sein.“ – so hat Martin Gutl in einem Psalmgedicht formuliert. Und weiter heißt es: „Wenn Gott uns heimbringt aus den schlaflosen Nächten, aus dem fruchtlosen Reden, aus den verlorenen Stunden, … aus der Angst vor dem Tod, wenn Gott uns heimbringt, das wird ein Fest sein! … Denn Gott, unser Gott, ist ein Gott der ewigen Schöpfung, ein Gott, der mit uns die neue Erde, den neuen Himmel gestaltet. Er lässt uns kommen und gehen, lässt uns sterben und auferstehen.“[1]

Amen.

 


[1] Martin Gutl, Der tanzende Hiob, Graz, S. 63