Glocken und Türme

Das Geläute unserer Basilika setzt sich aus folgenden 6 Glocken zusammen:

Nordturm: Dreifaltigkeitsglocke – Ton B

66 Ztr.

Südturm: Reliquienglocke – Ton des 44 Ztr.
  Bernhardiglocke Ton es – gegossen 1718 27 Ztr.
  Marienglocke – Ton f 20 Ztr.
  Josefiglocke – Ton as 15 Ztr.
  Michaelsglocke – Ton b   8 Ztr.

Der heutigen Zusammensetzung aus dem Jahre 1948 ging eine wechselvolle Geschichte voraus. Das Stift Waldsassen verfügte bereits im Mittelalter über drei Glocken „von sehr harmonischem Klang“, die allerdings beim Überfall der Markgräfler am 4. August 1504 durch den Brand des Kirchendaches schmolzen. Diese wurden in der Folgezeit durch neue Glocken ersetzt.

 

 

Ursprünglich besaß die ehemalige Klosterkirche und heutige Pfarrkirche 6 Glocken – auch diese bekamen zum Teil die Schrecken der Säkularisation zu spüren. 1814 wurde die große Frauenglocke auf dem Südturm zerschlagen. 2 kleine Glocken kamen damals nach Waldershof und es blieben lediglich 3 Glocken übrig. Obwohl sich die jeweiligen Seelsorger jahrzehntelang bemühten, kam es erst 1884 zu einer Neuanschaffung. Der Amberger Glockengießer Stephan Hegendörfer fertigte 3 neue Glocken, wobei 2 kleine zum Einschmelzen mit abgegeben wurden. Ende Oktober 1885 trafen die Glocken in Waldsassen ein, wo sie am 26. Oktober von H.H. Prälat Dr. Andreas Senestrey, Kanonikus an der Alten Kapelle zu Regensburg, geweiht wurden. Sie wurden auf den Titel der heiligsten Dreifaltigkeit (52 Ztr.), der unbefleckten Empfängnis (15 Ztr.) und des heiligen Josef (6 Ztr.) geweiht.

 

Im ersten Weltkrieg musste die Josefiglocke zu Kriegszwecken abgegeben werden. Nach Beendigung des ersten Weltkriegs wurde1928 unter Stadtpfarrer Höfner das unvollständige Geläute ergänzt und vervollständigt. Zu den 3 vorhandenen Glocken kamen 3 weitere aus der Glockengießerei K. Hamm in Regensburg dazu: die Reliqiuenglocke (35 Ztr.), die Josefsglocke (10 Ztr.) und die Michaelsglocke. Die kirchliche Benediktion fand am 11. November 1928 statt.

 

Doch die Freude währte nur kurz – der zweite Weltkrieg brachte den schmerzlichsten und den bittersten Abschnitt unserer Glocken. In jeder Kirchengemeinde durfte nur noch eine läutefähige Glocke verbleiben – der Rest wurde eingesammelt, um das Material für Kriegszwecke zu verwenden. Nachdem sich die in Frage kommenden Waldsassener Firmen weigerten, die 5 Glocken abzunehmen, wurde diese Arbeit durch die Fa. Georg Lauterbach aus Tirschenreuth durchgeführt. Das Gesamtgewicht dieser 5 Glocken betrug 140 Zentner, lediglich die Michaelsglocke konnte nach langwierigen Verhandlungen für die Kirche erhalten bleiben. In aller Eile ließ der damalige Stadtpfarrer Josef Wiesneth das Geläute auf Schallplatten aufnehmen, um den vertrauten Klang der Nachwelt zu erhalten. „Mit bitterem Schmerz“ – so Stadtpfarrer Wiesneth später – „sah die ganze Pfarrgemeinde die liebgewonnenen Glocken scheiden.“ Fast ohne Zuschauer wurden die Glocken abgenommen und nach Hamburg abtransportiert.

 

1947 wurde die alte Bernhardiglocke aus Hamburg rückgeführt und am 05. Juni 1947 feierlich eingeholt. Bei der Fa. Otto Friedrich in Hemelingen-Bremen wurde eine neues Geläute in Auftrag gegeben und die 5 Glocken kamen Ende Juli 1948 in Waldsassen an. Die feierliche Weihe der Glocken wurde auf dem Kirchplatz durch den H. H. Erzabt von Beuron. Dr. Johannes Baur vollzogen. 1953 wurde die Anlage elektrifiziert, sodass fortan die mühsame Bedienung mit den Glockenseilen entfiel.

 

Das ganze Geläute ist jetzt 176 Zentner schwer. Es ist ein sehr wuchtiges und harmonisches Geläute und ist wegen seines Wohlklanges bereits seit mehreren Jahren eingereiht in das jährliche Weihnachtsgeläute deutscher Glocken am Weihnachtsabend.

 

 

 

Bilder von der Glockenweihe - Juli 1948
(entnommen aus: "Waldsassen in alten Bildern und Ansichten - Band 2")